Was ist das Wochenbett? Wochenbett-Dauer und vieles mehr!

Mit der Hebamme Evi spreche ich über das Wochenbett, in dem Frauen nach der Geburt liegen. Evi gibt wertvolle Tipps und Einblicke – auch in ihre Arbeit als Hebamme. Viel Spaß!

Du hast hier die Möglichkeit, die Folge als Podcast zu hören oder auch als Interview zu lesen:

Über Evi
Einleitung
Was ist das Wochenbett eigentlich?
Was sollte man im Wochenbett machen und was eher nicht?
Wie lange dauert das Wochenbett?
Tipp für den ersten Spaziergang im Wochenbett
Mehr Tipps für das Wochenbett
Was ist der Baby Blues und was passiert da genau?
Alles über die Hebammenhilfe im Wochenbett
Was ist eine Doula?
Was passiert konkret bei dem Beruf Hebamme und was sind die Kosten?
Wann sollte man sich um eine Hebamme kümmern?
Alle Fragen von meiner Community
Evi’s Tipp, wenn du im Wochenbett bist und ein Kleinkind hast

Über Evi

Evi ist Hebamme seit 2010 – zwischen dem schriftlichen Examen und der mündlichen Prüfung hat sie ihren Sohn zur Welt gebracht. Evi hatte selbst kein Wochenbett – deshalb ist es zu ihrem Herzensthema geworden und sie möchte Mama’s in dieser so wichtigen Lebenszeit unterstützend begleiten.

Einleitung

Evi, du hast das klassische Wochenbett für dich ja gar nicht genutzt!
Nee. Und ich glaube, deshalb ist das bei mir auch so ein riesen Herzensding, weil ich das echt gar nicht hatte. Ich hatte die schriftliche Prüfung, dann die Geburt und genau acht Wochen nach der Geburt die mündliche Prüfung. In dieser Zeit musste ich auch lernen. Deshalb ist es für mich so wichtig und etwas, worin ich die Frauen bestärke: Mach das ruuuuhig in der Zeit. Genieß es! Nimm dir die Zeit für dich und dein Kind, lasst alles andere mal raus aus eurem Leben.

Genau das ist ja heutzutage auch eine riesen Herausforderung: Das Wochenbett ist verloren gegangen. Zum Glück sagen uns Hebammen wie du, dass es eine wichtige Zeit ist. Aber erklär doch mal:

Was ist das Wochenbett eigentlich?

Das Wochenbett beschreibt die ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt. Zum einen hast du körperlich viele Umstellungsprozesse. Ganz banal: die Gebärmutter muss sich zurückbilden, man hat den Wochenfluss (also die Blutungen), du hast generell auch einfach die körperliche Erschöpfung von der Geburt. Man hat bei der Geburt einen gewissen Blutverlust, was physiologisch völlig ok ist. Der Körper braucht aber eine gewisse Zeit, um damit klarzukommen. Die Hormone müssen sich auf nicht-schwanger einstellen. Das dauert.

Du sprichst vom klassischen Hormonabfall.
Genau. Das ist natürlich auch unterschiedlich, manche Frauen haben damit mit zu schaffen, andere nicht. Bei manchen ist das dann auch der sogenannte “Baby Blues”, also ein sehr emotionales Thema und völlig nachvollziehbar. Bis der Körper sich halbwegs stabilisiert hat, bis die Milchbildung sich eingependelt hat, da gehen sechs bis acht Wochen schnell rum.

Es ist also ganz normal, dass man zwei Monate braucht, um das alles zu ‘erlernen’?
Total!

Was sollte man alles im Wochenbett machen und was eher nicht?

Grundsätzlich finde ich immer: Sich schon vor der Geburt mit dem Partner / der Partnerin zusammensetzen und wirklich über diesen Zeitraum zu sprechen. Wie stellt man sich als Paar das eigentlich vor, diese ersten Wochen mit Baby? Das ist nämlich echt spannend. Oft sind da ganz unterschiedliche Ideen vorhanden. Zum Beispiel was den Besuch angeht. Der Mann denkt: ‘Klar kommt meine Mama zu Besuch und die wohnt dann hier und unterstützt uns.’ Und die Frau denkt sich vielleicht: ‘Auf die Schwiegermama habe ich aber keine Lust.’ Einmal hinsetzen und vorher durchsprechen, das ist ganz wichtig. Zum anderen: Was steht an Alltagsdingen an? Hier geht es um Einkäufe, es muss mal geputzt und gewaschen werden, wie verteilt sich das alles und was kann man nach Außen abgehen? Vielleicht gibt es eine Freundin, die mal eine Suppe vorbeibringen kann. Auch als Frau sollte man sich vorher fragen, was man braucht. Essen ist immer ein großes Thema, man sollte vorkochen und auch für ausreichend Klopapier sorgen. So viel wie möglich aus dem Wochenbett rausschieben. Damit man dann wirklich die Zeit richtig in Ruhe genießen kann und keine großen Verpflichten hat und einfach in den Tag hineinleben kann.

Lass uns mal konkret werden:
Was soll alles aus dem Wochenbett rausgeschoben werden? Diese ganzen Besucheranstürme vielleicht?
Ich finde es auch ganz interessant, wie unterschiedlich Frauen da sind. Manche sagen schon im Krankenhaus: Kommt alle und damit ist alles gut. Ich zum Beispiel wollte erst mal ankommen und gar keinen sehen. Es ist sehr individuell.
Ja, es ist sehr individuell und auch eine kulturelle Geschichte. Bei manchen ist es normal, dass viel Besuch kommt. Aber grundsätzlich finde ich auch wichtig, im Vorfeld schon der Familie und im Freundeskreis zu kommunizieren: Wir melden uns bei euch. Wenn wir soweit sind und Besuch haben möchten, dann sagen wir euch Bescheid. Ansonsten lernen wir erstmal, klarzukommen und verdauen die Geburt. Gerade die ersten Tage nach der Geburt musst du als Frau erst mal begreifen, was da passiert ist. Man weiß vorher ja gar nicht, wie so eine Geburt ablaufen wird. Und die Frauen sind da viel mit sich und dem Kind beschäftigt. Wenn dann viel Besuch kommt und jeder will das Baby mal auf den Arm nehmen, ist das für das Kind echt anstrengend. Und auch für die Mama! Also da vorbeugen! Und es sollte OK sein, wenn man eine halbe Stunde vorher absagt, weil man einfach zu müde ist und schlafen möchte. Das sollte keiner übel nehmen. Solche Eckdaten sollten von Anfang an klar kommuniziert werden, dafür sind Papas auch gut geeignet, die haben nicht so das hormonelle Chaos.

Für das Baby ist es auch häufig Stress, wenn so viel Besuch und Aufruhr herrscht, richtig?
Ich tue mich schwer damit, ganz allgemeine Aussagen zu treffen. Jede Mama und jedes Kind sind unterschiedlich. Aber wenn man sich mal in die Position des Kindes versetzt: Das ist gerade aus neun Monaten Leben im Bauch der Mama geschlüpft, kommt in diese Welt und alles ist anders. Die müssen mit soviel klarkommen. Für uns ist das relativ leicht, wenn mehrere Leute zu Besuch sind, das Kind halten. Aber wie krass allein der körperliche Eindruck für das Kind sein muss: Jeder fasst das Kind anders an, jeder riecht anders. Die Babys wissen sehr wohl, dass sie nicht bei der Mama sind. Gerade die ersten Wochen nach der Geburt sind primär Mama und Papa die Hauptbezugspersonen.

Nur im Bett bleiben und probieren sich bedienen lassen! Wie darf so eine Wochenbettzeit aussehen?
Ja das ist lustig, im Bett liegen bleiben und sich bedienen lassen. Meiner Erfahrung nach fällt das den meisten Frauen unglaublich schwer. Manchmal hat man ja auch gar keinen, der einen bedienen kann.

Falls du dich auch gerade auf dein Wochenbett vorbereitest, dann findest du hier meine Wochenbett Checkliste mit allen wirklich wichtigen Anschaffungen.

Wie lange dauert das Wochenbett?

Gerade in der ersten Woche nach der Geburt sollte man viel liegen, allein, um den Beckenboden zu schonen und Geburtsverletzungen heilen zu lassen. Es heißt ja nicht ohne Grund Wochenbett. Das heißt nicht, dass man acht Wochen liegt. Aber die ersten sieben bis zehn Tage sollte man im Bett verbringen, danach die Woche langsam ums Bett. Und dann darf man auch mal aus dem Haus raus. Die Frauen merken intuitiv, dass es ihnen ganz gut tut, mal die Füße still zu halten. Es ist ja trotzdem viel, was im Körper abläuft. Und wenn man die ersten Male rausgeht, nimmt man bitte eine Bezugsperson mit, falls man sich doch mal schummrig fühlt.

Tipp für den ersten Spaziergang im Wochenbett:

Grundsätzlich ist es abhängig von der Geburt und wie es der Frau geht. Der erste Spaziergang darf 10 bis 15 Minuten dauern, zum Beispiel geht man einmal um den Block. Langsam und mit Begleitung. Einfach mal gucken, wie es einem geht. Nach der Zeit draußen sollte man danach die gleiche Zeit im Liegen verbringen.

Das ist bei vielen wahrscheinlich intuitiv aber nicht bei allen möglich. Wenn man sich jetzt überlegt: Alleinerziehende, oder wenn keine Familie um einen rum ist, es gibt ja so viele Lebensumstände. Was ist zum Beispiel, wenn man mehrere Kinder hat… ? Aber lass uns erst mal überlegen: Man hat keine Familie und es ist schwierig, sich Unterstützung zu holen. Was sind weitere Wege, wie man sich diese Zeit erleichtern kann?

Mehr Tipps für das Wochenbett

Um Hilfe fragen

Ein großer Punkt ist, selbst ohne Familie oder mit arbeitenden Partner, wirklich schon im Vorfeld zu lernen um Hilfe zu fragen. Das sind manchmal wirklich banale Sachen, also so Alltagssachen: Das Spülmaschinenmittel ist zum Beispiel alle. Das fällt dir ein, wenn du gerade einkaufen warst und wieder zu Hause bist. Trau dich und schreib einer Freundin: Könntest du mir bitte XYZ und vielleicht noch Brot vom Bäcker mitbringen? Und schon muss man einmal weniger das Haus verlassen. Es sind ja oft gar nicht die großen Sachen, sondern die banalen kleinen Sachen. Oder du merkst, dass da noch eine Ladung Wäsche ist, die du nicht wegräumen kannst. Davon geht die Welt nicht unter.

Akzeptanz und Balance finden

Das ist so schwer! Man hat den Anspruch, es muss alles sein wie vorher. Oft dachte ich auch, es würde mir besser gehen, wenn um mich herum Ordnung herrscht. Und schon war ich am aufräumen. Und eigentlich weiß ich, dass mein Körper Ruhe braucht. Es ist also eine Kopfsache.
Das ist eine riesen Kopfsache. Die meisten Menschen können eben nicht im Kopf entscheiden, ‘Ich lass das jetzt mal rumstehen und das Badezimmer ist dreckig und es stört mich nicht.’ Man kann es vielleicht zum Teil ignorieren und es stört einen trotzdem. Gerade auch wenn das Kind ins Leben mit einzieht. Man merkt dann auch irgendwann, es liegen immer irgendwo Spielsachen rum. Und es gibt mehr Krümel. Und mehr Wäsche! Und man schafft es nicht immer. Und das ist auch völlig in Ordnung so. Wir leben ja nicht in einem Musterhaus, sondern leben in unserem Leben. Da auch für sich selber eine Balance finden, mit der man sich wohlfühlt. Die verschiebt sich in der Regel, wenn ein Kind mit einzieht.

“Ich fühle mich nicht wohl in dem Chaos, aber ich darf es lernen, dass es dazugehört, weil hier jetzt auch ein Kind ist” – Loslassen.
Genau. Oder auch einfach bestimmt für sich festzulegen: Das ist jetzt heute so, ich finde es nicht super, aber das darf mal für fünf Tage sein. So. Und dann kommt vielleicht meine Mutter zu Besuch und die Welt geht nicht davon unter, wenn die Wohnung nicht tiptop geputzt ist. Und das darf man sich ruhig mal trauen. Wenn ich Besuch bekomme, muss ich gefühlt erst mal eine Woche lang das ganze Haus putzen. Und das schafft man dann nicht und es kommt jemand spontan zum Kaffee vorbei und du denkst dir ‘Ne, ich kann dich eigentlich gerade gar nicht reinlassen.’ Und dann merkt man: Es passiert gar nichts. Ich werde dafür nicht bewertet oder verurteilt. Dieser Kritiker, das bin ich selber. Dafür ist Mama werden eine riesen Chance:

Erwartungen verändern & Prioritäten verschieben

Die eigenen Erwartungen zu verändern. Und das in ganz ganz vielen Bereichen als Mama. Es kommt dann doch immer ganz anders. Haushalt ist ja nur einer von ganz vielen Bausteinen.
Das finde ich einen schönen Ansatz: Mamasein ist jetzt meine neue Rolle und ich darf ein paar Sachen hinterfragen, die mir bis jetzt wichtig waren. Prioritäten verschieben sich. Es ist halt nicht alles ordentlich und geleckt. Es kommt ein bisschen Chaos in mein Leben und auch ein bisschen mehr Leben!

Du hast auch den Baby Blues angesprochen. Das ist ja auch typisch im Wochenbett.

Was ist der Baby Blues und was passiert da genau? Wann ist der Baby Blues vorbei?

Da passiert ganz ganz viel. Zum einen ist das ein rein hormonelles Ding: Die Plazenta löst sich und dadurch verschiebt sich der ganze Hormonhaushalt. Das ist nicht eine krasse Stunde, sondern ein Prozess. Das dauert einige Tage. Und in der Regel kommen bei den meisten Frauen, wenn dann auch der Milcheinschuss dazu kommt, das emotionale Chaos. Das High das man nach der Geburt hat geht, und irgendwann kommt diese Erschöpfung. Bei den meisten Frauen ist das zwischen dem dritten und fünften Tag, wo man dann auch noch gerade aus dem Krankenhaus entlassen wird. Vielleicht hast du auch noch einen knackigen Milcheinschuss und weißt gar nicht, wie du dich bewegen sollst und dann schicken die dich nach Hause. Da denken viele ‘Ich schaff das gar nicht’. Da wird es insgesamt zu viel. Da müssen die Frauen einfach weinen. Das ist total hilfreich, denn: Über Tränen baut der Körper Stresshormone ab. Das heißt, in dem Moment alles laufen lassen: Nur zu! Das ist völlig in Ordnung. Dabei nicht denken, ‘ich schaff das nicht’. Es ist einfach viel und braucht ein bisschen. Tief durchatmen und Babysteps machen. Sich Hilfe holen, mit dem Partner reden. Da braucht man einfach Support.

„Ein ganz ganz großer Teil ist die emotionale Begleitung.”
~ Hebamme Evi

Alles über die Hebammenhilfe im Wochenbett

Wie oft kann die Hebamme eigentlich im Wochenbett kommen?

In den ersten zehn Tagen nach der Geburt hast du bis zu 20 Besuche. Grundsätzlich könnte ich als Hebamme in den ersten Tagen zweimal am Tag hingehen. Ergänzend gibt es telefonische Beratung. Ansonsten hat man Anspruch für den kompletten Wochenbettzeitraum, der auf zwölf Wochen erweitert werden kann. Und die komplette Stillzeit, es ist wirklich sehr sehr großzügig. Die Pauschale komplett auszunutzen, da muss man eine Frau schon sehr intensiv betreuen.

Welche Hilfe darf man in dieser Zeit bekommen, auch nach der Wochenbettzeit?

Das wissen nämlich viele Frauen nicht: Dass sie nach vier Monaten auch noch Hilfe bekommen können. Beim Abpumpen oder wenn sie zufüttern möchten und auf einmal Probleme beim Stillen haben. Auch da hat man noch Anspruch auf Hebammenhilfen, auch mit zwei Jahren noch wenn man da stillt.

Hebammen sind so ein Geschenk! Aber wie ist das eigentlich in anderen Ländern?
Es ist von Land zu Land unterschiedlich. Ich war 6 Wochen in Kalifornien bei zwei Hausgeburtshebammen, da habe ich viel gelernt. Da läuft die Betreuung komplett anders ab, die haben beispielsweise nach der Geburt noch zwei Besuche. Die kommen einmal direkt nach der Geburt und dann noch mal ein paar Tage später. Das war’s! Und das ist sogar Luxus. In vielen Krankenhäusern hat man sogar gar keine Hebamme, da ist dein betreuender Frauenarzt mit dabei. Dafür sind Doulas häufiger vertreten in den Staaten. Das ist da viel weiter als in Deutschland und auch anders gefragt – klar, wenn man ansonsten nur den Frauenarzt hat tendiert man vielleicht eher dazu, sich eine Doula mitzunehmen.

Sag doch nochmal bitte:

Was ist eine Doula? Was macht sie?

Eine Doula hat bei weitem nicht so eine ausführliche Ausbildung wie eine Hebamme. Sie sind mehr die emotionalen Begleiterinnen. Mit dem medizinischen Part haben sie nichts zu tun, sie dürfen keine Infusionen oder Medikamente geben. Sie sind für die emotionale Unterstützung da, massieren die Frau mal bei der Geburt oder holen ihr Wasser. Manche machen das bei der Geburt und es gibt die postpartum Doula – das ist total schön, weil sie den emotionalen Support bieten. Nicht so medizinisch, aber viele unterstützen dann auch bei den liegengebliebenen Haushaltssachen. Gehen einkaufen, Räumen ein bisschen auf, kümmern sich um das größere Kind, das gibt es sogar als Nachtdoula. Das ist da anders als hier in Deutschland. Aber das ist dann auch alles privat, dafür kommen die Eltern auf. Ich weiß noch: Die Hebammen, die ich begleiten durfte haben damals pro Geburt 5.000 Dollar genommen. Ich dachte das wäre krass viel Geld. Und es war weniger als die Hälfte, was man im Krankenhaus hätte zahlen müssen.

Was passiert konkret bei dem Beruf Hebamme und was sind die Kosten?

Ich weiß nur, dass die Versicherung für freiberufliche Hebammen unglaublich hoch ist. Das ist ein Aspekt, der trifft dich primär, wenn du als Hebamme auch Geburten anbieten möchtest. Es gibt zwei Versicherungsstufen: Mit dem Angebot von Geburten (9000 Euro im Jahr). Und wir verdienen nicht mal ein zehntel mit einer Geburt. Der andere Part der Versicherung ist günstiger und ohne Geburtshilfe. Wenn du über die Krankenkasse abrechnest, bist du an deren Gebührenordnung gebunden. Und das ist natürlich als Selbstständige sehr schwierig: Du hast mit Raummiete zu tun, gleichzeitig kannst du deine Bezahlung nicht anpassen. Du hast einen sehr fordernden Beruf was deine Arbeitszeiten angeht, du kannst ja nichts planen. Es gibt viele Einschnitte im Privatleben. Je nachdem, was man für ein Arbeitspensum hat, ist das in der Freiberuflichkeit schwierig. Vertretung finden ist wahnsinnig kompliziert mittlerweile. Im Raum Frankfurt schreiben die Frauen bis zu 60 Hebammen an, um Hilfe zu bekommen. So geht’s uns als Kollegin halt auch. Drei Wochen Urlaub im Sommer? Schwierig.

Also vor allem ist es die finanzielle Bürde, die den Beruf erschwert. Und auch wenig Nachwuchs bringt, oder?
Es ist beides würde ich sagen. Das Interesse ist noch da – nicht mehr so viel wie vor zehn Jahren. Die Einstiegshürden mit dem Studium sind eher noch schwieriger für nen Job, der hinten raus finanziell nicht so lukrativ ist. Man muss schon sehr genau gucken, wie man sich aufstellt und was man macht. Es gibt viele Hebammen, die zweigleisig aufgestellt sind: Die sind im Krankenhaus angestellt und machen nebenbei ein bisschen selbstständig, geben Kurse oder machen ein bisschen Wochenbettbetreuung. Die müssen dann auch schauen, womit sie am besten verdienen. Und das ist eigentlich total traurig.

“Die meisten Kolleginnen hören nicht auf, weil der Beruf ihnen keinen Spaß macht. Sondern weil die Umstände nicht passen. Und die Leidtragenden sind die Frauen.”
~ Hebamme Evi

Wann sollte man sich um eine Hebamme kümmern?

Sofort. Sobald man den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hält. Direkt mehrere Hebammen kontaktieren, damit man auf der sicheren Seite ist. Selbst damit wird es noch schwierig wahrscheinlich. Und viele Frauen trauen sich am Anfang nicht, weil sie die ersten 8 bis 12 Wochen abwarten wollen. Auch dafür sind wir Hebammen zuständig. Auch bei einer Fehlgeburt sind wir als Ansprechpartnerinnen da und begleiten die Frauen. Damit man als Frau nicht alleine ist und auch in diesem Wochenbett Unterstützung erhält.

Ich habe auch schöne Fragen von meiner Community zum Wochenbett!

Alle Fragen von meiner Community:

Wie macht man das Wochenbett beim zweiten Kind?

Im Grunde sollte man vieles von den Sachen, die fürs erste Wochenbett gelten, zumindest anpeilen. Gleichzeitig muss man da auch realisieren, dass dieses Wochenbett nicht 1:1 umzusetzen ist. Die Fragen und Herausforderungen sind oft beim zweiten Kind auch ganz anders als beim ersten Baby. Beim zweiten Kind weiß man schon viel mehr, (“Ja, es ist normal, dass unser Kind achtmal am Tag flüssigen Stuhlgang hat”). Da stresst man sich nicht mehr drüber. Dafür sind es eher so Themen wie das Geschwisterkind. Wenn der große Bruder das kleine Baby streicheln möchte, motorisch noch nicht so geübt ist und es eher in einem Hauen endet, möchte man auch nicht ständig ‘nein’ zu dem Kind sagen. Gleichzeitig muss man dem Kind auch klar machen: ‘Nein, du kannst nicht auf meinem Bauch rum springen, während ich stille.’ Auch hier wird Unterstützung wieder wichtig. Je nach Alter des ersten Kindes kann man sich mal fragen, wer im Freundeskreis die ersten Wochen mit auffangen kann. Gibt es jemanden aus der KiTa, der das erste Kind mit auf den Spielplatz nehmen kann? Oder kann die Oma nachmittags einen Besuch zum Zoo machen? Da geht es weniger um Einkäufe, sondern mehr darum, wer kann mir das Kind abnehmen und ihm einen Benefit geben. Wenn das Kind in einem Alter ist, wo das nicht gut funktioniert und der Papa mehr ran muss: Jemanden holen, der den Papa entlastet. Sowas im Vorfeld klären, wie kann man das gut gestalten.

Kind 1 weiter in die KiTa stecken oder den ganzen Tag im Wochenbett mitnehmen?

Das kommt auf das Kind an. In meiner Beobachtung ist es für viele Kinder angenehmer, wenn es bei einem gewissen Rhythmus bleibt. Wenn es noch in der Eingewöhnungsphase ist, ist es unglaublich schwierig, auch für die Mama das emotional zu schaffen. Aber wenn das Kind gut in der KiTa angekommen ist, und das Prozedere auch schon kennt, wenn es da gerne hingeht, dann würde ich tendenziell eher dazu raten, das beizubehalten. Dann hat das Kind ein paar Stunden den gewohnten Alltag und die Mama den Luxus, Zeit nur mit dem Neugeborenen zu verbringen. Was man beim ersten Kind oft wunderschön zelebrieren kann, ist beim zweiten oder dritten Kind oft Mangelware. Die Kinder laufen dann ja auch mehr mit.

Darf man mit mehreren Kindern überhaupt die Erwartung haben, dass man das mit dem Wochenbett hinkriegt?

Das ist Typsache. Ich habe mal eine Frau beim dritten Kind betreut, für sie war klar, dass es das letzte Kind ist. Sie hat sich im Schlafzimmer verbarrikadiert, den anderen gesagt, ‘ihr könnt machen was ihr wollt, ich bin hier oben.’ Das war total süß und die hat das knallhart durchgezogen, weil sie wusste, wie wertvoll diese Zeit ist. Die hat das total zelebriert.

Evi’s Tipp, wenn du im Wochenbett bist und ein Kleinkind hast:

Für das erste Kind ist es eine Herausforderung, wenn du auf einmal keine Zeit mehr hast, Bauklötze zu spielen, weil du stillst oder die Flasche gibst. Das geht gerne mit Frust einher.
Aber man könnte zum Beispiel zwei besondere Bücher nur dann vorlesen, wenn gerade gestillt wird. Überleg dir vorher eine kleine Besonderheit, die man trotzdem mit dem Kind machen kann.
Da darf man kreativ überlegen, was braucht das größere Kind und wie können wir das mit etwas Positivem verbinden. Und wenn der Papa schon wieder arbeiten ist und nichts geht, dann darf das Kind vielleicht irgendeine tolle Serie auf dem Tablet gucken, das ist dann völlig in Ordnung. Gerade am Anfang sollte man fünfe einfach gerade sein lassen und nicht mit allem so super streng sein.

Du willst weitere Wochenbett-Tipps? Hier geht’s zum Blogartikel “Meine 9 Wochenbett-Tipps”.