Der Schnuller

Der Schnuller ist ein heiß diskutiertes Thema, denn die Meinungen gehen hier sehr stark auseinander. Fakt ist jedoch, dass Babys gerade am Anfang ein ausgeprägtes Saugbedürfnis haben. Dieses Saugbedürfnis ist sogar überlebenswichtig, denn sie benötigen das Saugen, um an die Milch aus der Brust oder Flasche zu kommen. Außerdem entspannt und beruhigt es Babys, zu saugen und daher kann der Schnuller auch für den Babyschlaf sehr wertvoll sein.

Auf Ultraschallbilder kann schon beobachtet werden, dass Babys am Daumen nuckeln. Nach der Geburt können sie das natürlich auch weiterhin an der Brust machen – ich persönlich habe das aber als sehr anstrengend empfunden. Ich wollte, dass meine Kinder an der Brust trinken und nicht stundenlang nuckeln.

Meine persönliche Schnuller-Erfahrung

Als die Option im Raum stand, meinem Baby einen Schnuller anzubieten, habe ich mich dafür entschieden und dachte, dass mein Baby ihn sofort annehmen wird. Bei meiner ersten Tochter war das jedoch nicht der Fall. Sie hatte erst mal gar kein Interesse am Schnulli. Ich habe dann mehrere verschiedene Marken gekauft und ihr immer wieder angeboten. Einen hat sie dann angenommen – ich kann Dir nicht sagen, woran das lag. Bis zum Schluss wollte sie auch nur diese eine Sorte haben. Irgendwann lagen in ihrem Bett dann fünf Schnuller ihrer Lieblingssorte. So hatte sie immer einen zur Hand, wenn mal einer aus dem Mund gefallen ist.

Die große Auswahl – welcher ist der Richtige?

Bei der Auswahl an Schnullern kann man sich schnell überfordert fühlen. Als Materialien gäbe es da zum Beispiel Latex, Silikon oder Kautschuk. Bei der Form kann man wählen zwischen symmetrisch geformt oder asymmetrisch. Ein richtig oder falsch gibt es bei der Wahl des Schnullers nicht. Ich empfehle Dir, hier einfach mal auszuprobieren, was Dein Baby gerne mag.

Der Schnuller aus Sicht der Zahnärzte

Da wir im engen Freundeskreis einige Zahnärzte haben, habe ich diese gebeten, mir ihre Meinung zum Schnuller zu sagen. Unser Zahnarzt des Vertrauens sagte, dass der Schnuller in Maßen vollkommen in Ordnung ist. Den Zahnärzten geht es dabei natürlich in erster Linie um die Zahnstellung. Normalerweise drückt die Zunge beim Schlucken gegen den Gaumen. Wenn der Schnuller im Mund ist, funktioniert das jedoch nicht. Der Druck geht dann eher über die Wange. Das kann dann zu einem sogenannten offenen Biss führen. Offener Biss bedeutet, dass eine Lücke vorne bei den Schneidezähnen im Ober- und Unterkiefer bleibt, wenn die Zähne zusammengebissen werden. Das sieht nicht sonderlich schön aus, vor allem aber kann es dazu führen, dass Dein Kleines lispelt. Außerdem ist das Abbeißen und Kauen mit einem offenen Biss schwierig. Leider kommt es dann häufig zu einer kieferorthopädischen Behandlung.

Ich weiß – das klingt jetzt erst mal alles nicht so toll. Das Beruhigende daran ist, dass sich solch ein offener Biss im Milchgebiss innerhalb von wegen Monaten von allein schließt, sobald der Schnuller weg ist. Daher lohnt es sich, mit dem Zahnarzt Rücksprache zu halten. In der Regel können die eine Empfehlung geben, bis wann der Schnuller aus zahntechnischer Sicht bleiben darf.

Der Schnuller aus Sicht der Hebammen und Stillberatern

Von Hebammen und Stillberatern wird häufig die Empfehlung gegeben, in den ersten Wochen gänzlich auf den Schnuller zu verzichten, zumindest so lange, bis das Trinken an der Brust gut funktioniert. Ultraschallbilder zeigen, dass sich die Saugtechnik an der Brust und am Schnuller stark unterscheiden. Es kann zu einer sogenannten Saugverwirrung kommen. Konkret wird daher empfohlen, die ersten fünf Lebenswochen komplett auf Schnuller und wenn möglich auch auf das Fläschchen zu verzichten. Statt einem Schnuller kannst Du Deinem Babylein in den ersten Wochen lieber den kleinen Finger geben, wenn es saugen möchte.

Dass dies ein sehr kontrovers diskutiertes Thema ist, beweist auch eine Studie eines Krankenhauses in Oregon. Sie gaben Neugeborenen routinemäßig keine Schnuller mehr, in der Hoffnung darauf, dass sich die Stillraten erhöhen. Tatsächlich war jedoch das Gegenteil der Fall. Zeitgleich stieg sogar der Anteil der gestillten Säuglinge, die zusätzliche Säuglingsnahrung erhielten.

Wenn Du mehr über diese Studie erfahren möchtest, kannst Du hier nachlesen

Wie so häufig gibt es also ganz gegenteilige Empfehlungen, die sehr verwirrend für uns Eltern sein können. Mein Tipp ist daher, dass Du Dich informierst und eine individuelle Entscheidung für Dich und Euch triffst, die zu Deiner Familie passt.

Mein Verhältnis zum Schnuller

Bei meinen drei Kindern habe ich zwei Schnuller-Fans und einen Schnuller-Verweigerer – daher kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass der Schnuller für uns einen großen Unterschied gemacht hat. Im positiven Sinn.

Ich fand es sehr viel schwerer bei meiner Mittleren, die keinen Schnuller genommen hat zu beruhigen. Vor allem im Alltag. Zum Beispiel wenn sie als Baby unruhig war und auf dem Rücksitz im Auto geschrien hat. Da war der Schnulli bei meiner Großen und ist der Schnuller bei meinem Kleinen ein wahrer Segen. Und natürlich auch beim Schlafengehen. Der Schnuller kann wunderbar Teil der Bettgehroutine sein und das Einschlafen unterstützen.

Die Beendigung der Schnuller-Karriere

Zum Thema Entwöhnung des Schnullers gab mir meine Kinderärztin einen wirklich tollen Rat. Als ich mit meiner Großen damals zur U6 war, also da war sie ungefähr ein Jahr alt, sagte die Ärztin, dass ich langsam beginnen soll, meiner Tochter zu erklären, dass der Schnuller „im Bett wohnt“.

Er soll also im Idealfall nur genommen werden, wenn auch sie im Bett ist. Ich habe sie dann immer wieder gebeten, den Schnuller ins Bett zu bringen, weil er ja dort wohnt. Das hat in der Regel erstaunlich gut und schnell funktioniert. Wenn sie einmal sehr schlecht drauf oder krank war, dann wurde die Regel außer Kraft gesetzt. Dennoch fiel es ihr nicht sonderlich schwer, den Schnulli am nächsten Tag wieder im Bett abzugeben.

Wenn Du also gerade vor der Herausforderung stehst, Deinem kleinen Schatz den Schnuller zu entwöhnen, empfehle ich Dir zuerst diesen Tipp anzuwenden. Außerdem stelle ich Dir jetzt noch viele verschiedene tolle Möglichkeiten vor, mit denen Du die Schnuller-Karriere Deines Lieblings beenden kannst:

Wichtige Voraussetzungen zur Schnuller-Entwöhnung

Um deinem kleinen Schatz den Schnuller zu entwöhnen ist es immer gut, wenn du einen Anreiz gibst, damit dein Kind den Schnulli abgibt. Ihn einfach wegzunehmen ist keine gute Idee. Denn dann kann es sein, dass dein Kind zum Daumenlutschen übergeht, und den Daumen kann man nicht so leicht abgewöhnen.

Wichtig ist auch, dass es zusätzlich zur Abgewöhnung des Schnullers keine weiteren Stresssituationen für deinen kleinen Schatz gibt. Solche Stresssituationen wären z.B. die Geburt eines Geschwisterchens oder ein anstehender Bezugspersonenwechsel, wie der Wechsel von der Tagesmutter zur Kita usw.

Rituale zur Schnuller-Entwöhnung

Die Schnullerfee

Der wohl bekannteste Weg zum Abgewöhnen des Schnullers ist die Schnullerfee. Dabei bekommt dein Kleines einen Wunsch von der Schnullerfee erfüllt im Tausch gegen den Schnuller. Dazu legst du einen Tag fest, an dem dein Kind seinen Schnuller abends beispielsweise auf die Fensterbank legen soll. Am nächsten Tag hat dann die Schnullerfee den Schnuller gegen ein Wunsch-Spielzeug eingetauscht.

Am besten ist es, wenn Du Deinem Kind vorher schon oft erklärst, was genau in dieser Nacht passieren wird und Du dabei immer wieder den Namen Schnullerfee erwähnst. Sag Deinem Kind ruhig auch, wie viele Tage es bis dahin noch sind. Bei meiner Großen haben wir es genauso gemacht und es war sehr erfolgreich. Im Vorhinein haben wir dieses Buch von der Schnullerfee gelesen und der Abschied vom Schnuller hat komplett ohne Tränen geklappt.

Das Abschneiden des Schnullers

Ein ganz anderer Ansatz zur Entwöhnung des Schnullers, den wir zwar nicht gemacht haben aber der interessant klingt, ist das tägliche Wegschneiden eines Stücks am Schnuller. Der Schnulli wird so Tag für Tag etwas kleiner – bis Dein Kleines gar keine Lust mehr hat, an diesem Mini-Schnuller zu nuckeln. In Kombination mit einer Geschichte kann auch diese Methode wohl ganz gut gelingen.

Den Urlaub zur Entwöhnung nutzen

Du kannst auch einen Familienurlaub dazu nutzen, den Schnuller abzugewöhnen. Das Lösen vom Schnuller fällt Kindern ja besonders schwer, weil sie sich an den Schnuller gewöhnt haben und es zu einer festen Gewohnheit geworden ist. Im Urlaub ist Dein Kind durch die neue Umgebung und die neuen Eindrücke abgelenkt. Diese Situation kannst Du nutzen, um den Schnuller wegzulassen. Auch bei der Rückkehr nach Hause kann die nun wieder bekannte Umgebung das Verlangen nach dem Schnuller reduzieren.

Das Schnullerfest

Beim Schnullerfest wird der Schnuller als Geschenk verpackt und einem fiktiven Baby geschenkt. Ein Elternteil bringt den Schnuller dann weg und kommt mit einem Geschenk von dem fiktiven Baby zurück, welches sich für den Schnuller bedankt. Bei dieser Idee geht es vor allem darum, dass Deinem Kind erklärt wird, dass der Schnuller nun weiterziehen muss, und zwar zu einem Baby, das kleiner ist und den Schnuller dringender benötigt. Noch besser ist dieses Ritual umzusetzen, wenn ein neues Baby im Familien- oder Freundeskreis zur Welt kommt und diesem Baby der Schnuller geschenkt wird.

Alternativ könnt ihr auch eine Abschiedsfeier mit der ganzen Familie veranstalten. Es erfolgt dann ein feierlicher Gang durch die Wohnung bis zu der Stelle, an welcher der Schnuller verabschiedet werden soll. Dann könnt ihr den Schnuller gemeinsam verabschieden. Wenn ihr einen Garten habt, könnt ihr den Schnuller z.B. dort vergraben oder wenn das nicht möglich ist, funktioniert das Ritual auch mit der Mülltonne als „Verabschiedungsort“. Dein Kind kann dann etwas sagen wie „Lieber Schnulli, es war schön mit Dir, aber jetzt bin ich groß und brauche Dich nicht mehr“. Dann winken alle noch einmal dem Schnuller nach und verabschieden sich.

Der Schnullerbaum

Der Schnullerbaum ist eine witzige Tradition aus Dänemark. An einen Schnullerbaum werden die Schnuller gehangen mit dem Gedanken, dass der Schnuller jederzeit wieder besucht werden kann. In Deutschland wird dieser Brauch auch immer populärer – in vielen Städten gibt es sogar im Park öffentliche Schnullerbäume und Schnullerfeste.

Die beste Zeit, um den Schnuller zu entwöhnen

Laut Experten ist die beste Zeit, um den Schnuller zu entwöhnen, im Laufe des 3. Lebensjahres. Am besten beginnst Du damit, den Schnuller im 2. Lebensjahr nur noch zum Schlafen herzunehmen und gewöhnst ihn dann Schritt für Schritt im Laufe des Jahres ab. Das Gute daran ist, dass auch das Saugbedürfnis der Kinder in diesem Alter oft nachlässt.

Fazit

Für welchen Weg Du Dich auch entscheidest, anschließend heißt es leider konsequent bleiben. Am besten gelingt das, wenn Du die Schnuller wirklich alle wegtust, damit Du gar nicht erst in die Versuchung gelangst, ihn doch nochmal herzugeben. Natürlich kann die Schnuller-Entwöhnung zu einigen herausfordernden Nächten führen, das ist ganz normal. Wichtig dabei ist, gib Deinem kleinen Schatz in dieser schweren Trennungszeit Sicherheit und noch eine extra Portion Liebe und zeig ihm, dass das Leben weitergeht – zwar ohne Schnuller, dafür aber mit einem tollen Gefühl von Stolz und „Groß-sein“.

Noch eine Empfehlung zum Schluss:

Bei meinem Kleinen nutze ich dieses Schnullertier, das ich sehr empfehlen kann weil es den Schnuller „in Position hält“ wenn der Kleine auf dem Rücken schläft: das ist unser Schnullertier.