Stillen. Tipps, Tricks und Infos für Mama und Baby

Hallo ihr Lieben, ich freue mich total, euch heute meine erste Folge zu präsentieren. Ich habe mich entschieden, mit einem Thema zu beginnen, welches vor allem als Neu-Mama wichtig und spannend ist. Und zwar das Thema Stillen.

Wenn das Baby da ist, geht es ja im Idealfall sofort los mit dem Stillen aber nicht selten gibt es auch kleine oder leider auch größere Problemchen. Und es gibt einiges, was mir geholfen hätte, wenn ich es früher erfahren hätte. Außerdem ist es auch total spannend, was da im Körper vor sich geht. Stillen ist wunderbar aber häufig auch anstrengend.

Daher diese Folge. Also, los geht’s!

Ich werde von meinen Erfahrungen berichten, Tipps geben, falls es mit dem Stillen nicht so richtig klappen will, erklären, was es mit Hausmitteln auf sich hat und noch die ein und andere Idee aufzeigen.

 

  • Das wertvollste Kolostrum

Stillen, das ist doch das Natürlichste auf der Welt. Easy-peasy! Und trotzdem kenne ich kaum eine Mutter, bei der dieses „Natürlichste“ komplett ohne eine Hürde funktioniert hat. Als meine kleine  Lara auf die Welt kam, konnte ich leider nicht direkt stillen, da sie zur Beobachtung auf die Kinderintensiv musste. Sie weggeben zu müssen war natürlich für uns als Eltern ganz furchtbar und ich hatte zudem auch Sorge, dass ich sie nicht werde stillen können. Mir wurde dann gleich gesagt, dass ich abpumpen soll, um die Milchfluss zu fördern.

Gesagt getan. So saß ich dann einige Stunden nach der doch auch anstrengenden Geburt auf meinem Krankenhausbett und da war er, der unweigerliche Vergleich mit der Kuh. Aber es war auch faszinierend, wie da diese cremige Flüssigkeit – am ersten Tag war das ja die Vormilch, das Kolostrum – aus meiner Brust tropfte. Es waren aber nur einige Mililiter. Und ich dachte natürlich, das reicht im Leben nicht. Als dann die Krankenschwester jeden Tropfen dieser wertvollen Milch versuchte, in eine kleine Pipette zu füllen, wurde mir klar, dass das der Champagner des Babys ist. Das Kolostrum ist tatsächlich sehr wertvoll, da es besonders viele Kalorien und Antikörper hat und dem Baby hilft, die Verdauung zu starten und zu schützen. Es ist wirklich wenig, was da rauskommt ABER er reicht und es ist so kostbar!!

  • Muh, der Milcheinschuss

Nach einigen Tagen kam dann der Milcheinschuss und ich erinnerte mich, wie die Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs davon gesprochen hatte, dass wir alle aussehen werden wie Dolly Buster. Jep. Da war ich, ein Klon der guten Dolly. Die Brüste werden hart (als wäre Silikon drin) und sind total empfindlich auf jegliche Berührung. Dieser Milcheinschuss kommt so zwei bis sieben Tage nach der Geburt. Der Körper weiss noch nicht, wieviel das Babylein braucht und der Körper produziert vorsorglich lieber mal zu viel. Und es kann wirklich viel rauskommen,– Stilleinlagen können da sehr helfen! Versuch einfach mal mehrere Marken aus und guck, mit welcher du gut zurechtkommst.

Wenn die Brust anfangs durch den Milcheinschuss ganz fest ist, ist das nicht nur unangenehm für Dich sondern auch nervig für Dein Babylein. Da kommt auf einmal so viel raus, damit sind manche Babys überfordert. Aber keine Sorge, es gibt einige Tipps, wie Du Dir helfen kannst. Guck einfach, was Dir gut tut. Du kannst zum Beispiel VOR dem Stillen die Brust mit einem warmen Waschlappen oder einer Wärmeflasche wärmen. Dadurch wird das Gewebe nämlich weicher und dein Baby kann die Brustwarze besser in den Mund nehmen. Du kannst die Milch auch ein bisschen ausstreichen (lass Dir von deiner Hebamme am besten zeigen, wie man ausstreicht).

Wenn Du dann NACH dem stillen noch Druck spürst, dann kannst Du die Brüste kühlen. Ich hatte daher auf Anraten meiner Hebamme auch immer Quark im Kühlschrank für schöne Quarkwickel. Du kannst natürlich auch einfach ein Kühlpad nehmen aber die Konsistenz von Quark ist perfekt und passt sich so schön an die Brust an (am besten packst Du den Quark in ein Stück Stoff dann saust Du Dich danach nicht so voll ). Und vor allem wirkt Quark entzündungshemmend. Habe ich aber ehrlichgesagt kaum genutzt, irgendwie hat sich glücklicherweise recht schnell eingependelt bei meiner kleinen Maus und mir.

  • Die Milchproduktion

Was mir geholfen hat war, zu verstehen, dass sich die Milchproduktion nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage richtet. Wenn das Baby im Wachstumsschub mehr Milch braucht und es häufiger trinkt, wird die Milchbildung angeregt. Mehr Nachfrage – mehr Angebot. Das heißt dann ja aber auch, dass Du wenn Du abpumpst die Milchproduktion ankurbelst. Die Brust denkt dann mehr Nachfrage – dann auch mehr Angebot. Daher ist abpumpen bei Druckgefühl auch nicht erste Wahl. Dann wird das Druckgefühl zwar erst mal weniger aber auf lange Sicht ist das nicht das richtige, wenn Du das Druckgefühl verringern willst. Dann streiche wie gesagt lieber etwas Milch aus…hier wird gern empfohlen, das unter der warmen Dusche zu machen. Wärme wieder weil die Brust dadurch weicher wird.

Und was ich am faszinierendsten finde: Das die Milch sich nicht nur in der Menge sondern auch in ihrer Zusammensetzung auf die Bedürfnisse deines Babys einstellt. Die individuell perfekte Milch für Dein Baby!

  • Keine Sorge! 

Neben all dem Wunder gab es aber auch Ängste und Sorgen, die ich erlebt habe. Zum Beispiel die Angst, dass ich nicht genug Milch für meine kleine Lara habe. Kennst Du diese Angst auch? Willkommen im Club! Blöd war auch, dass ich wusste, dass unter Stress die Milchproduktion leiden kann. Ein Teufelskreis. Und dann taten meine Brustwarzen unendlich weh, ich ging wegen dem Schlafmangel auf dem Zahnfleisch, das Lara schrie. Wie soll man sich DA bitte entspannen??

Und trotzdem, das Wichtigste: Entspann Dich, dein Körper kann das! Und wenn das Gewicht deines kleinen Schatzes ok ist, braucht Du Dir wirklich keine Sorgen zu machen. Gib Dir Zeit, es wird sich alles einpendeln. Ganz sicher! Die Sorge nicht genug Milch zu haben ist leider weit verbreitet aber das eine Mutter wirklich zu wenig Mich hat, ist sehr selten. Als ich mit diesen Ängsten zu kämpfen hatte, habe ich eine Stillberaterin kontaktiert, es gibt so unglaublich viel Hilfe da draußen. Das ist echt toll! Und es gibt Stillgruppen und Still-Sprechstunden in Krankenhäusern. Geh doch einfach mal zu einer hin und guck Dir an, ob Dir der Austausch gut tut. Über die Ängste reden ist auf jeden Fall hilfreich! Und vor allem, wenn Du merkst, dass Du mit den Sorgen nicht allein bist. Man ist ja eh so unglaublich emotional und auch häufig unsicher in dieser Lebensphase, da brauchen wir gegenseitige Unterstützung!

Ich hatte noch eine ganz andere Herausforderung, ich hatte nämlich einen extremen, extremen Milchfluss. Denn als meine Kleine an einer Seite trank, lief es dermaßen an der anderen Seite raus, dass ich kaum hinterher kam, es wegzuwischen. Und ja, ich hatte Stilleinlagen drin. Die saugfähigsten. Aber schnell waren die auch durchgenäßt! Ich war echt am Ende mit meinen Nerven. Keiner konnte mir da wirklich nen guten Rat geben bis endlich die Urlaubsvertretung meiner Hebamme mit der Erlösung kam: Brustauffangschalen. Thank god! Eine geniale Erfindung: Ich habe die in meinen BH auf die eine Seite reingetan, wenn ich meine Kleine auf der anderen Seite gestillt habe. Die Milch hat sich in den Brustauffangschalen gesammelt und ich konnte so diese Milch auch noch einfrieren! Die Milch kann dann verfüttert werden, wenn Du nicht da bist oder Du nutzt sie beim baden. Entweder für Dich oder dein Baby. Das pflegt die Haut nämlich wunderbar.

  • Richtiges Anlegen

Was ich wirklich von Anfang an hätte wissen wollen ist, dass das richtige Anlegen das A und O ist. Dazu musst Du dich wohlfühlt. Mach es Dir bequem. Ich hatte zum Beispiel eine Ecke in unserer Wohnung mit einem Sessel, einem kleinen Tisch daneben, wo was zu trinken und zu essen stand (am liebsten Schoki) und wo ich mich einfach wohl gefühlt habe. Eine Mama setzt sich zum stillen mit dem Stillkissen aufs Sofa, die andere legt sich ins Bett zum stillen. Wie auch immer, Du sollst Dich wohlfühlen. Und lass Dir Anlegepositionen von Deiner Hebamme oder in Stillgruppen zeigen. Es gibt mehr als eine Position und Du musst nur herausfinden, was für Dich und Dein Baby am besten ist. Manchmal ist es übrigens am besten, sich zum stillen zurückzuziehen, vor allem wenn Dein Baby älter wird und sich von den Eindrücken ablenken lässt.

  •  Aaaautsch, meine Brustwarzen!?

Zum richtigen Anlegen gehört, dass dein Baby beim Trinken immer die ganze Brustwarze plus Vorhof im Mund hat. Das ist am Anfang vielleicht komisch, aber wichtig. Denn wenn dein Baby nur an der Brustwarze saugt, kann das ziemlich weh tun.

Wenn es mega schmerzhaft ist, versuch erstmal eine andere Stillposition. Eine Mama hatte nach langem erfolglosen rumprobieren endlich keine Probleme mehr beim stillen, als sie angefangen hat, auf dem Rücken liegend zu stillen. Sie hatte sehr viel Mich und ihr Baby hat nur die Brustwarze in den Mund genommen, die Milch floss einfach raus. Im Liegen musste ihr Baby aber gegen die Schwerkraft arbeiten und nahm dann die Brust endlich richtig in den Mund und die Mama konnte aufatmen.

Wenn Du schmerzende Brustwarzen hast, kommt das aber nicht UNBEDINGT vom falschen Anlegen – ich habe so das Gefühl, das wird als alleiniger Grund gesehen und einem dann immer eingeredet – das kann auch damit zusammenhängen wie heftig und oft und vor allem wie lange dein Baby trinkt.

Ich habe anfangs manchmal sogar versucht, das stillen heraus zu zögern, weil ich so Angst vor den Schmerzen hatte. Und MEINE Rettung waren Stillhütchen, die konnte ich dann aber auch nach einiger Zeit wieder weglassen. Ich will Dir damit zeigen, dass es viele Wege gibt, Stillschwierigkeiten zu lösen. Und fast immer kann man sie lösen.

Manchmal hört man, dass Babys mindestens so und so lange trinken müssen. Das halte ich für schwierig, denn es gibt Schnell-und Langsamtrinker. Lara zum Beispiel hat Anfangs sehr langsam getrunken, gerne auch mal 45 Minuten und nach einigen Monaten war sie eine sehr schnelle Trinkerin und nach 5 Minuten fertig. Also kein Stress, da gibt es keine fixe Regel. Bald wirst Du dein Baby besser kennen und wissen, wie es für euch beide am besten läuft.

  • Ach ja, diese Schübe…

Auch wenn Du herausgefunden hast, was bei Dir am besten klappt, wird es trotzdem Zeiten geben, in denen alles anders läuft. DAS gehört ja irgendwie zum Mamasein dazu!! Was mir damals aber keiner gesagt hat, was jedoch echt geholfen hätte, war, dass es normal ist, dass es Tage und Wochen gibt, an denen Du das Gefühl hast, nichts anderes zu tun, als zu stillen und das bedeutet NICHT, dass Du zu wenig Milch hast!

Und wenn Dein Baby viel öfter trinken will, wenn dein Baby die Brust anschreit oder wenn dein Baby viel schneller oder langsamer trinkt als sonst, dann ist es viel wahrscheinlicher, dass dein Kleines einfach einen Entwicklungsschub durchmacht, in dem es einfach mehr braucht! Und diese Entwicklungsschübe gehen vorbei, VERSPROCHEN! Und bis dahin heißt es, wie schon erwähnt: Angebot und Nachfrage schneller zufrieden!

  • Vergiss das Essen und Trinken nicht!

Hausmittelchen zum Anregen der Milchbildung gibt es natürlich auch, zum Beispiel der bekannte Stilltee. Musste ich natürlich auch unbedingt haben. Spricht ja auch nichts dagegen, ich hab mich nur ein bisschen geärgert, als ich erfahren habe, dass die meisten Stilltees einfach eine Mischung aus Fenchel, Kümmel und Anis sind. Es ist aber durchaus günstiger, diese Mischung zu kaufen und nicht mehr zu bezahlen, nur weil „Stilltee“ drauf steht. Wenn es eine Wirkung gibt, dass ist die wahrscheinlich dem Placeboeffekt zu danken, denn wissenschaftlich bewiesen ist nur die positive Wirkung nicht.

Teehersteller dürfen übrigens trotzdem damit werben, dass Stilltees die Milchbildung unterstützen obwohl das wissenschaftlich wie gesagt noch nicht bewiesen ist. Wissenschaft hin oder her, ich mag meine entspannende Teepause. Viel trinken ist ja vor allem in der Stillzeit unglaublich wichtig, empfohlen werden 2-3 Liter pro Tag. Aber mehr dann auch nicht. Wenn Du nämlich mehr als 3 Liter am Tag trinkst, kann das dazu führen, dass die Milch weniger wird. Fand ich ganz interessant, viel hilft viel, zu viel hilft nicht. Mehr als 3 Liter sollten aber eh schwer sein, zu trinken.

Weitere Hausmittel sind Malzbier, alkoholfreies Bier und Getreidekaffee. Auch da gibt es unterschiedliche Meinungen. Auf jeden Fall sind im Malzbier viele flüssige Kalorien. Und Stillen verbraucht ja ordentlich Kalorien, ich hatte auch wirklich gefühlt immer Hunger und gerne auch Malzbier im Kühlschrank. Es sind übrigens um die 600 Kalorien mehr, die Du brauchst, wenn Du stillt. Pro Tag! Ganz schön viel, aber die sollte man leider nicht mit einer Tafel Schokolade sondern mit gesundem Essen zu sich nehmen.

  • Gründe fürs Nicht-stillen

Jetzt hab ich ganz viel vom stillen geredet und es klingt so, als gäbe es gar keine Alternative. Klar, Stillen hat so viele Vorteile, es ist gesund für das Baby und Dich als Mama, Du hast es immer dabei, immer in der richtigen Temperatur und es ist dann auch noch umsonst. Wie kann man sich da bitte gegen das Stillen entscheiden. Das dachte ich früher auch aber dann habe ich eine Mama kennengelernt, die sich gegen das Stillen entschieden hat, teils aus medizinischen aber auch aus persönlichen Gründen. Und ehrlich, früher hätte ich immer verurteilt. Wie kann man nur nicht das Beste für sein Kind wollen und alles dafür geben. Bullshit. Es gibt Gründe, die gehen keinen was an und diese Mama, die ich kennengelernt habe, war eine wunder-wunderbare Mama. Auch ohne zu stillen. Es ist ein Teil vom Mamsein, aber es macht eine Mama nicht zu einer guten oder schlechten.

Jeder geht seinen Weg und ich bin für Toleranz und Liebe. Das braucht die Welt heute am meisten! Und als Kölnerin will ich da unser kölsches Grundgesetz zitieren: Jeder Jeck ist anders!

 

Jetzt habe ich ganz viel, natürlich nicht alles über das Thema Stillen aufgegriffen. Zum Glück haben wir in Deutschland diesen unglaublichen Luxus, Hebammen für die Nachsorge als Unterstützung zu bekommen. Hebammen sind Profis auf diesem Gebiet und ich will Dich ermuntern, Hilfe zu suchen und anzunehmen wenn Du Schwierigkeiten hast!

 

Und genießt das Mama-Sein, es ist die wunderschönste, spannendste aber auch chaotischte und intensivste Zeit in DEINEM Leben!

Bis zum nächsten Mal!

 

 

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